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Review This Story || Author: Michael Fuhs

Anna

Part 5

Kapitel 23

Kapitel 33

 

Tja, so war das. Das hatte ich gemeint in so ungefähr, als ich Giselle gegenüber äußerte, mein damaliger Herr habe mich mit dreizehn Jahren vergewaltigt. Ihr wißt schon, als wir uns im Cafe über den Tisch beugten, bis sich unsere Gesichter beinahe berührten.

Diese schonungslose Offenheit nahm sie eigentlich erstaunlich gelassen auf. In ihren Zügen malte sich eher Verblüffung über diese unerwartete Wendung des Gesprächs als Entsetzen. Das stellte sich erst so nach und nach ein, als wir beide schon längst wieder auf unsere Stühle zurückgesunken waren. Sie schlug die Hände vor´s Gesicht.

Als sie sie wieder runternahm, schimmerten ihre Augen feucht.

„Anna, das tut mir ja so leid, ich meine, ich habe nicht gewußt...., also wenn ich auch nur geahnt hätte....“

Sie wirkte sehr hilflos in diesem Moment, schien zu erahnen, dass die Geborgenheit ihrer Existenz für mich leider  nur ein unerfüllbarer Wunschtraum war, etwas, das ich nur von Außen kannte. Dass Sklaverei leider nicht nur etwas Abstraktes war, sondern dass sie ihr hier und heute in Fleisch und Blut gegenüber saß an diesem Kaffeehaustischchen,  in meiner Gestalt.

Ich wollte gerade ansetzen zu etwas Tröstendem, legte mir gedanklich sogar ein paar scherzhafte Worte zurecht, als mich ein heilloser Schreck durchzuckte.

„Oh, mein Gott“, schrie ich auf. Leute drehten sich um. Ich schlug die Hand vor den Mund.

„Anna, Anna, was ist denn?“

„Giselle, wie spät ist es?“ Schaute auf meine Uhr. „Ist es wirklich schon viertel nach fünf“

„Aber ja doch, Anna. Da haben wir doch noch viel Zeit. Mach doch nicht so´n Streß jetzt. Du mußt erst um 18.30h wieder zuhause...“, sie rang nach Worten, „...äh ich meine, bei deinem Herrn sein und ich habe dir doch gesagt, dass du nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren mußt, wir nehmen eine Taxe.....“

Ich schüttelte heftig den Kopf, fiel ihr ins Wort.

„Nein, wir haben überhaupt keine Zeit mehr. Und ich bin schon so gut wie im Sklavengefängnis. Ich habe nämlich was vergessen, weißt du.“ Ich war den Tränen nahe.

„Was denn, Anna, was denn? Sag schon!“

Ich zog die Einkaufsliste aus meiner Tasche, Ihr erinnert Euch vielleicht, die, die mir mein Herr gegeben hatte, damit ich auf dem Nachhauseweg ein paar Besorgungen erledigen sollte. Aber ich, ich hatte sie komplett vergessen, hatte einfach nicht mehr gedacht an sie, während ich zusammensaß mit meiner neuen Freundin.

„Hier. Ich soll das besorgen alles. Hab ich nicht mehr daran gedacht, weil wir uns so gut unterhalten haben.“

Giselle betrachtete die Liste mit gerunzelter Stirn, legte sie vor sich auf die Tischplatte.

„Ooch, Anna, das ist doch alles nur unwichtiges Zeugs. Das kannst du doch morgen noch besorgen. Du sagst deinem Herrn eben die Wahrheit. Oder zumindest fast. Also vielleicht nicht unbedingt, dass du nicht mehr daran gedacht hast.

Du hast da halt eine kennengelernt in dem Tanzkurs und dann seid ihr eben noch ausgegangen miteinander, hier, in dieses Cafe, da kann er ja anrufen, ob zwei Mädchen hier gewesen sind, die das und das bestellt haben, ja, und dann habt ihr euch halt festgequatscht und...., hier, Anna, ich geb dir meine Telefonnummern, Festnetz und Handy. Er soll nicht hier anrufen. Er soll MICH anrufen. Ich bin schuld. Ich ganz alleine. Ich hab dich quasi gezwungen, mir Gesellschaft zu leisten. Und weil du eine so gute Sklavin bist, hast du dich eben nicht getraut...“

Sie verstand immer noch nicht.

„Giselle“, entfuhr es mir laut. „Du verstehst nicht. Ich bin eine Sklavin.“

Fuhr erregt fort: „ Ich bin so gut wie tot, weil die einen nämlich tot machen im Sklavengefängnis. Das mit dem Vergessen glaubt mir doch kein Mensch. Und wenn, auch egal, ich darf Befehle nicht vergessen einfach. Das ist Befehlsverweigerung, dafür kommt man ins Sklavengefängnis.  So oder so.“

Wieder drehten sich Leute um. Ein paar mehr diesmal. Das war nicht wirklich schlimm. Also dass jetzt einige mitgekriegt hatten, dass ich eine Sklavin bin. Es gab kein Gesetz, weder ein geschriebenes noch ein ungeschriebenes, das es Sklaven verboten hätte, öffentliche Lokale aufzusuchen. Natürlich war es besser, das nicht an die große Glocke zu hängen. Als Kunden waren wir nicht eben erwünscht, schon gar nicht an einem so vornehmen Ort wie diesem Cafe , das wäre seinem Ruf nicht gerade zuträglich gewesen. Man hätte ja auch keinen Obdachlosen hereingelassen beispielsweise, geschweige denn ihn auch noch bedient, und da gab es auch kein Gesetz dagegen.

Und prompt stand der Kellner an unserem Tisch, der, der uns so aufmerksam bedient hatte vorhin.

„Sagt mal, seid ihr beiden etwa Sklavinnen?“

Giselle warf ihm einen wütenden Blick zu, kramte in ihrer Handtasche, knallte ihren Personalausweis auf die Marmorplatte. Ich habe ja schon erwähnt, dass wir Sklaven keine Personalpapiere im eigentlichen Sinne haben.

„ICH nicht. Und was meine Begleiterin ist oder vielleicht auch nicht, das geht Sie überhaupt nichts an!“

Der Kellner ignorierte das, wandte sich an mich.

„Zeig mal deinen Ausgehschein, meine Kleine“, verlangte er von mir, mit süffisantem Unterton.

„Das wird ja immer schöner“, empörte sich Giselle, „Sie lassen uns jetzt augenblicklich in Ruhe, oder ich will den Geschäftsführer sprechen. Sie sind schließlich hier, um uns zu bedienen und nicht, um uns zu belästigen. Was erlauben Sie sich eigentlich?“

Der Kellner deutete mit einer leichten Verbeugung seinen Rückzug an.

„Gut. Ich entschuldige mich. Aber ihr geht jetzt besser. Die Rechnung geht aufs Haus, ihr braucht nicht zu bezahlen.“

„Wir haben noch nicht mal aufgegessen“, erklärte Giselle mit Würde.

„Also, eßt in Ruhe zuende. Und dann geht bitte, ohne viel Aufhebens zu machen. Du...“, er deutete auf Giselle, „bist uns natürlich weiterhin als Gast willkommen. Aber überleg dir das nächste Mal bitte besser, wen du mitbringst hierher.“

„Es wird kein nächstes Mal geben, Herr Ober“, erwiderte Giselle.

 

Er verbeugte sich noch mal leicht, drehte sich auf dem Absatz um und schritt davon.

Wir saßen da wie die begossenen Pudel. Wer jetzt übrigens meint, andere Gäste hätten in irgendeiner Form Kenntnis genommen von dem kleinen Intermezzo, möglicherweise sogar interessiert gelauscht, der irrt. Es waren schließlich alles wohlerzogene Leute, die hier verkehrten.

Giselle fand als erste die Sprache wieder.

„Hat man Worte..., aber hör zu Anna, was dein kleines Problem betrifft, also deswegen werden wir uns keine grauen Haare wachsen lassen und auch nicht allzu schnell aufbrechen hier, nicht wahr, schon um diesen Kellner- Arsch zu ärgern.“ Sie kicherte boshaft, zog ihr Handy raus, wählte eine Nummer.

„Valentina? Giselle hier. Hör zu, was hat dir meine Mutter noch alles aufgetragen für heute nachmittag?“

Offenbar sprach sie mit der Familiensklavin. Wartete die Antwort ab, die etwas länger ausfiel.

„Also, Valentina, vergiß das alles. Ich erkläre das heute abend meiner Mutter. Nimm dir mal ´nen Zettel und ´nen Bleistift und schreibe die folgenden Dinge auf, die ich dir jetzt diktiere. Ich sag dir auch genau die Geschäfte, wo du es besorgen mußt. Nimm ein Taxi. Anschließend kommst du ins Cafe „Rosenstolz“, wo ich mit einer Freundin bin, und bringst mir die Sachen. Dann bezahl ich den Taxifahrer, der bringt dich auch wieder zurück, und dann hast du immer noch genügend Zeit, wenigstens die wichtigsten Dinge zu tun.“

Vom anderen Ende der Leitung schienen Einwände zu kommen.

„Ausgehschein? Scheiß auf den Ausgehschein, Valentina. Warum sollte dich irgendwer danach fragen, wenn du offenkundig Einkäufe erledigst für deine Herrschaft? Und jetzt hör gut zu und schreib gefälligst mit....“ Sie diktierte ihr alles, was auf dem Einkaufszettel meines Herrn stand. Mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete, wie mir unangenehm auffiel.   Na ja, war mir ohnehin klar, dass sich die Sache mit der Befreiung aller Sklaven noch eine Zeitlang  hinziehen würde, und so lange....

„Wie? Nein, nicht auf meinen Namen. Es ist für einen.... Bekannten meiner Freundin.  Wart mal kurz.“

Sie hielt die Hand über die Sprechmuschel.

„Wie heißt denn dein Herr?“, flüsterte sie mir zu.

Ich sagte es ihr. Nicht, dass er sich mir jemals offiziell vorgestellt hätte, weder damals, als er mir zur Begrüßung in die Fresse schlug gleich, noch zu einem späteren Zeitpunkt. Für mich reichte ja die Anrede: „Herr“.  Aber sein Name stand  auf dem Klingelschild vor dem Hoftor, und da blickte ich drauf heute früh. Irgendwann will man halt schon einmal erfahren, wem man gehört. Wessen Eigentum man ist.

 

„So, das hätten wir. Alles paletti.“ Sie strahlte zufrieden, steckte das Handy wieder weg.

Einerseits war ich sehr erleichtert. Die Geschäftsinhaber konnten ja nicht wissen, wie die Sklavin eines gewissen Herrn Soundso aussah. Und auch wenn ich irgendwann noch mal dorthin geschickt werden sollte: es war ihnen ja auch nicht bekannt, ob dieser gewisse Herr nicht etwa mehrere Sklavinnen hatte. Wenn sie sich überhaupt an eine Sklavin erinnerten, die für ihren Herrn einkaufte.

Andrerseits war es mir gar nicht recht, dass Giselle die ihre  einem solchen furchtbarem Risiko aussetzte für mich.

Ich teilte ihr meine Bedenken mit. „Giselle, ich will nicht, dass eine Andere in den Sklavenknast muß wegen mir. Willst du sie nicht anrufen und ihr sagen, dass sie es doch nicht tun soll? Ich meine, wir beide könnten uns doch auch ins Taxi setzen und...“

„Ach, Annalein. Risiko, welches Risiko? Valentina ist weder tätowiert noch trägt sie einen Fußreif. Die ist sogar schon mal angehalten worden, als sie für mich unterwegs war ohne Ausgehschein, da hat sie einfach gesagt, sie hätte ihren Perser vergessen und alles war o.k..“ Triumphierend blickte sie mich an.

Oh weh, Giselle meinte es zwar nicht böse, aber sie schien keine Ahnung zu haben von der Lebensgefahr, in die sie ihre Sklavin jedesmal brachte damit. Bestimmt hatte ihr ihre Mutter nie eine Geschichte wie die vom „ungehorsamen Sklavenmädchen“ erzählt. Warum hätte sie das auch tun sollen?

Ich wagte aber keine Einwände mehr gegen Giselles generöse Hilfsbereitschaft mir gegenüber. Nahm mir jedoch vor, sie später einmal darüber aufzuklären, wie unverantwortlich das im Grunde war, was sie da tat.

Valentina, eine ungefähr vierzigjährige Frau, südländischer Typus, erschien schwerbepackt kurz vor18.00h, legte mir die Einkäufe zu Füßen, nannte mich „Herrin“. Giselle trat mich unter dem Tisch gegen das Schienbein, als ich den Mund aufmachen wollte, um dieses Mißverständnis zu korrigieren.

Sie rief gerade laut: „Ober, zahlen“ („Denn selbstverständlich zahlen wir, Anna, aber gewiß doch. Wir lassen uns doch nicht beleidigen von diesen Ärschen!“), als es zu einem weiteren kleinen Zwischenfall kam.

Es ging nämlich die Tür auf, eine ältere matronenhafte Frau trat ein und mit einem freudigen Lächeln an unseren Tisch. Es war Giselles Tante Klara, wie sich gleich herausstellen sollte.

 

„Giselle! Na so ein Zufall. Ich lauf da gerade vorbei und denke mir: ja wenn das nicht die Giselle ist. Wie geht´s dir? Und der Mama? Die habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen.“

„Gut, Tante Klara, uns geht´s allen gut. Danke. Und Papa auch. Und Rolf.“

„Rolf“, so wandte sie sich an mich, „das ist unser Hund. Ein Irish Setter, den müßtest du mal streicheln, der hat ein ganz weiches Fell, sage ich dir.“

Giselle schien die Freude ihrer Tante über diese Begegnung nicht ganz zu teilen, wollte offenbar demonstrieren, dass sie in einem Gespräch mit mir begriffen war. Das merkte Tante Klara entweder nicht oder es ließ sie kalt.

„Du pflegst es ja auch voller Hingabe“, meinte sie. „Ihr habt Valentina einkaufen lassen, wie ich sehe. Weiß deine Mutter eigentlich davon? Wahrscheinlich eher nicht, oder?“ Sie drohte Giselle schalkhaft mit dem Finger.

Valentina hatte sich derweil auf alle Viere sinken lassen, ordnete die Einkaufstüten neu an, auf dass sie sich gegenseitig stützten und nicht etwa eine davon umfiele. Sie schien es vermeiden zu wollen,  Tante Klara ihre Anwesenheit mehr als nötig zu Bewußtsein zu bringen.

Die gab ihr auch einen leichten Schlag mit ihrem zusammengerollten Sonnenschirm auf den Rücken.

„Was gibt´s denn da rumzufummeln, dummes Stück. Scher dich raus hier, aber dalli.“

Valentina blickte fragend auf Giselle.

„Ja, Valentina, laß sie stehen so. Ist schon in Ordnung. Geh nur. Und vielen Dank, dass du alles so schnell besorgt hast.“

Valentina trat unter Verbeugungen gegen Tante Klara den geordneten Rückzug an, so schnell wie das der Respekt vor der Herrschaft zuließ.

Einer Sklavin zu danken für geleistete Dienste war  nicht eben ein mustergültiges Beispiel für die Beachtung gesellschaftlicher Gepflogenheiten, entsprechend zog Tante Klara einen Flunsch, als habe sie Zahnweh. Sie war aber wohl vertraut mit den Spleens ihrer Nichte und maß ihnen offenbar keine größere Bedeutung zu, ja nahm sie sogar mit Humor.

„Nächstens lädst du Valentina hierher ein, du kleine Sklavenbefreierin, du! Zuzutrauen wär´s dir!“ Wieder dieses schalkhafte Drohen mit dem Finger. Über diesen abwegigen Verdacht mußten wir alle drei herzlich lachen, auch der Taxifahrer, der hinzugetreten war und sein Geld wollte, grinste.

„Die Dame draußen sagt, sie würden zahlen. Auch für die Rückfahrt.“

„Diese Dame, wie Sie sich auszudrücken belieben, junger Mann“, belehrte ihn Tante Klara, „ist lediglich die Sklavin der Familie dieses entzückenden Mädchens hier.“ Fingerzeig auf Giselle. „Werden fünfzig Euro reichen?“

„Aber dicke“, brummte der Fahrer.

Gegen den Protest Giselles bestand Tante Klara darauf, das Taxi zu bezahlen.

„Geben Sie ihr das Rausgeld, nehmen Sie sich drei Euro Trinkgeld.“

„Danke sehr, die Dame.“

„Und vergessen Sie nicht, ihr eine Quittung auszustellen“, rief sie ihm noch hinterher, als er fast schon draußen war.

 

Erhitzt von ihrem guten Werk reichte mir Tante Klara eine schweißnasse kleine Patschhand, die ich zögerlich ergriff.

„Hallo, mein Kind. Du schaust ja auch ganz entzückend aus. Ach, ihr jungen Leute...Ich bin übrigens Giselles Tante Klara, du darfst Tantchen zu mir sagen. Wie heißt du denn?“

„Anna“, brachte ich hervor, mit einem Kloß im Hals. Hoffentlich bekam der Kellner nichts mit von dieser Unstatthaftigkeit und hielt es für seine Pflicht, Tante Klara ins Bild zu setzen.

„So, Anna heißt du also? Das ist ja ganz entzückend. Anna ist immer gleich. Von vorn und von hinten.“ Sie lachte perlend über diesen geistreichen Witz, diesmal alleine.

„Sag, Anna, woher kennst du denn meine kleine Giselle? Seid ihr gemeinsam auf dem Gymnasium?“

Der Kloß in meinem Hals saß ziemlich fest, so langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Ein Sklave muß sich im Zweifelsfall immer als solcher zu erkennen geben, (also nicht gegenüber der Öffentlichkeit, aber im persönlichen Kontakt), und der Strafkodex ließ keinen Zweifel daran, dass die Erregung oder Unterstützung eines diesbezüglichen Irrtums nicht gerade ein Kavaliersdelikt ist, Strafrahmen abhängig von den Begleitumständen und den dahinter steckenden Absichten.

Gut, ich hatte früher selber andauernd verstoßen dagegen, aber das schien Lichtjahre her zu sein.  Jetzt kroch Angst in mir hoch, lähmende Angst.

„Nein, Herrin....ich meine, Tantchen“, korrigierte ich mich sofort, jedoch zu spät.

„Herrin, sie nennt mich Herrin, habt ihr das gehört“, lachte das Tantchen, „das ist ja ganz entzückend!“ Sie nahm es für eine Anspielung  auf ihren Scherz von vorhin, also auf den, dass es Giselle zuzutrauen wäre, Sklavinnen ins Cafe einzuladen.

Ich grinste mühsam.

„Nein, Herrin“, wiederholte ich meinen „Spaß“, „ich habe nur den Realschulabschluß.“  (Das war doch eigentlich eine Absicherung, wenn der jetzt nahende Kellner das Mißverständnis ein für alle Mal aufklären würde. Durch diese Titulierung hatte ich mich ihr doch eigentlich als Sklavin zu erkennen gegeben, oder?)

Jetzt stand er wieder an unserem Tisch. Griff einen freien Stuhl vom Nebentisch, schob ihn Tantchen unter ihren voluminösen Hintern.

Die machte sich noch nicht mal die Mühe, ihn auch nur anzuschauen, hielt ihren Blick weiter auf mich gerichtet.

„Danke, junger Mann. Und bringen Sie mir bitte einen Cappuchino und eine Schwarzwälder Sahne- Kirsch.“

„Sehr wohl“. Er entfernte sich.

„So, nur den Realschulabschluß?“, sprach sie gedehnt. Ihre Begeisterung für mich flaute etwas ab, des Eindrucks konnte ich mich nicht erwehren.

„Komm schon, Tante Klara“ mischte sich da Giselle wieder in unsere Unterhaltung, „wenn du wüßtest, unter was für widrigen Umständen sie ihren Schulabschluß machen mußte, du würdest sie bewundern dafür. Und sie hat auch einen wirklich guten, nicht wahr, Anna?“

„Eins Komma sieben“, preßte ich hervor. Es entsprach der Wahrheit. Ich bezweifelte allerdings dennoch sehr, ob ich auch nur ihre Füße hätte küssen dürfen, wüßte sie tatsächlich Bescheid über die „widrigen Umstände“. Dachte mir schon ein paar Lügengeschichten aus für den Fall, dass sie Näheres erfahren wollte.

Das tat sie aber nicht.

„So? Na, das ist doch ganz ordentlich, junge Dame. Besser die eins Komma sieben unter Fach und Dach als den Spatz in der Hand“, witzelte sie.

„Aber jetzt sagt: woher kennt ihr euch denn?“

„Aus dem Bauchtanzkurs, Tante Klara,“ antwortete Giselle.

„Ach richtig, du machst ja einen Bauchtanzkurs jetzt. Hm, verrückte Sache. Wir haben noch den Wiener Walzer gelernt in meiner Jugend. Rechts herum und auch links herum. Bis zum Abschlußball mußte das eine jede beherrschen. Ich hatte den Bogen schon nach der dritten Stunde raus. Ach, ihr jungen Leute.....“

Sie begann den Donauwalzer zu summen, während der Kellner den Cappuchino und die Torte vor ihr arrangierte.

Er fragte auch uns formvollendet höflich, ob wir noch etwas wünschten. Unser kleiner Disput von vorhin schien völlig in Vergessenheit geraten zu sein.  Giselle verneinte und wiederholte ihren Wunsch nach der Rechnung. 

„Kinder, ihr wollt doch nicht etwa schon gehen und eure alte Tante Klara alleine zurücklassen?“, kam es enttäuscht von dieser.

„Bestellt euch doch noch was. Ich lade euch ein.“

„Nein, Tante, so leid es mit tut. Ein andermal gerne, aber heute geht es nicht. Anna hat einen sehr strengen Vater, mußt du wissen, und sie muß schon um 18.30h wieder daheim sein. Sie muß ihm noch im Haus helfen. Er ist früh verwitwet, weißt du, und Anna hilft ihm viel, führt praktisch den Haushalt“, setzte sie frei improvisierend hinzu.

„Oh, das ist aber recht von dir, mein Kind. Dass es so was noch gibt heutzutage. Zu meiner Zeit, da war das natürlich selbstverständlich, aber die jungen Leute heute... Schön, dass du nicht so bist.“

Sie schaute auf ihre Uhr, die golden funkelte am dicken Handgelenk. Nebst etlichen Armreifen des selben Materials.

„Dann bist du ja fast schon zu spät dran, es ist ja schon in fünf Minuten halb.“

Mir fiel das Herz in die Hose. Das war nicht mehr zu schaffen.  Auch mit einer Taxe dauerte es mindestens eine halbe Stunde bis zum Haus meines Herrn. Giselle telefonierte hektisch nach einer solchen mit ihrem Handy. Die ganze Zeit kam immer nur das Besetztzeichen bei der Taxizentrale. Sie warf mir verzweifelte Blicke zu.

Lähmung und Starre krochen hoch in mir. Das Grauen der Nacht im Stehsarg kam wieder. Ich dachte an den Prügelbock, die Peitschen. An dieses gräßlich nackte Metallbett zum „Ohnmächtig- Prügeln.“ Würde ich diesmal „drauf“ müssen? Elektroschocks. Auf solchen Betten verpassen sie ihren Opfern auch Elektroschocks in den Sklavengefängnissen. Allerdings hatte ich noch kein Elektroschock- Gerät gesehen bei meinem Herrn. Möglicherweise bewahrte er es ja auch in einem Schrank auf. Sie sind ja nicht groß.

Von der Taxi- Zentrale diesmal eine Bandansage. „Wir sind im Moment leider völlig überlastet. Der nächste freie Mitarbeiter wird ihren Anruf entgegennehmen. Bitte legen sie nicht auf.“

Die Minuten krochen. Beruhigende Musik und immer wieder die selbe Ansage aus dem Handy.

Gottseidank war wenigstens Tante Klara vollauf mit ihrer Torte beschäftigt und wollte keine Konversation machen.

„Kinder, das kostet ja ein Heidengeld, wenn ihr das Handy die ganze Zeit anlaßt. Macht es doch aus und probiert es in einer halben Stunde noch mal. Ihr Vater wird Anna schon nicht gleich den Kopf abreißen, wenn sie sich mal verspätet ein bißchen. Er wird sie doch nicht behandeln wie eine Sklavin“, meldete sie sich endlich wieder zu Wort. Wo vor kurzem sich noch ein Trumm von einem Tortenstück erhoben hatte, befanden sich nur noch Krümel und Sahnereste.

Immer noch diese Musik und die Bandansage... Inzwischen waren bestimmt zehn Minuten vergangen. Panik breitete sich aus in meinen Eingeweiden, krallte sich im Unterbauch fest, ich hatte das Gefühl, mir gleich in die Hose zu machen.

Plötzlich stand, wie aus dem Nichts, der Taxifahrer von vorhin neben uns.

„Tut mir leid, die Damen, dass ich stören muß. Aber ich bin ja vorhin durch die halbe Stadt gefahren. Und dann noch das Nachhause- Bringen, also es fehlen noch zwei Euro fünfzig.“

Er war  doch ein wenig erstaunt, der Gute, mit welcher Euphorie seine nächste „Fuhre“ sein Aufkreuzen begrüßte.

 

 

 

 

 

Kapitel 34

 

Sie hat einen Ausgehschein bis 18.30h, jetzt ist sie bereits eine Viertelstunde überfällig und immer noch kein Zeichen von ihr. Macht sie einen Fluchtversuch? Das glaube ich eigentlich nicht. Das wäre so töricht, vor allen Dingen jetzt, wo sie was zu verlieren hat. Ihre Ausgeherlaubnis und ihre Tanzstunden, ein gewisses Vertrauen mithin, das ich mittlerweile in sie setze. Von der WSSC- Tätowierung und dem GPS- Fußring ganz zu schweigen. Ein Kind wüßte, dass ein solchermaßen ausgestatteter Sklave keine Chance auf ein Entkommen mehr hat.  Und Anna ist kein Kind mehr. Und sehr intelligent obendrein.

Dass die Tanzschule eine Tarneinrichtung der Anti- Sklaverei- Liga ist, glaube ich ebenfalls nicht.

Was soll ich tun? Falls sie wider Erwarten doch einen Fluchtversuch unternimmt, wäre es natürlich hilfreich, die Polizei möglichst früh zu verständigen. Aber ich glaube es nicht. Vielleicht hat sie den Bus verpaßt, wäre ja möglich.  Mit dem Bus braucht man schon so eine dreiviertel  Stunde hier heraus, es gibt einen durchgehenden von Stuttgart aus.

Ich  hole mir den Fahrplan. Mal sehen:  eigentlich hätte sie den um 17.32h nehmen müssen, planmäßige Ankunft 18.15h, zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg, da sie ja was zu schleppen hat an Einkäufen. Jede Minute Verspätung wollte ihr mit drei Ohrfeigen quittieren. Das geht jetzt natürlich nicht mehr. Den Ochsenziemer und dann Schläge,  bis sie sich einscheisst. In den Stehsarg will ich sie eigentlich nicht mehr sperren, der ist nur noch ein Drohrequisit, schade eigentlich um die handwerklich aufwendige Arbeit. Aber wie gesagt; wenn sie mir in den Wahnsinn oder die geistige Umnachtung flieht, bevor ich noch ordentlich meinen Spaß gehabt habe mit ihr, bin ich ja der Dumme letzten Endes.

Also der nächste Bus ab Stuttgart ginge um 18.32h. Wäre sie also mit einer Stunde Verspätung hier. Also doch bewußtlos hauen? Hm, nee. Da muß sie dann wohl erst mal ins Krankenhaus für einige Tage. Vielleicht sogar eine Woche. Das kostet Geld, mein Geld erst mal, da ich für sie noch keine „Ausfallzeit- Versicherung“ abgeschlossen habe, die so was mit abdeckt. Die Prämien sind einfach zu hoch, da der Versicherungsfall relativ häufig eintritt.

 

Gegen 19.15h höre ich ein Motorgeräusch. Ich schaue aus dem Fenster. Und traue meinen Augen kaum.  Ein Taxi fährt vor, hält wohl, da es nicht wieder auftaucht an der anderen Seite der Umfriedungsmauer. Es läutet. Ich laufe zum Tor, öffne es.

Anna steht davor, mit Tüten behangen, und noch so ein Gör. Klein und zierlich, eine echte Augenweide. Im Prinzip so richtig was für einen Kinderschänder wie mich.  Auch sie hat in jeder Hand eine Einkaufstüte. Im Hintergrund steht das Taxi mit abgestelltem Motor, der Fahrer hat die Scheibe runtergekurbelt, raucht eine, winkt mir lässig zu. Ich beachte ihn nicht.

Das Gör stellt eine Einkaufstüte auf den Boden, reicht mir eine Hand, die ich ergreife.

„Hallo, ich bin die Giselle. Ich kenne Anna vom Bauchtanzkurs her. Darf ich mit reinkommen?“ Sehr gepflegte Aussprache, kultiviertes Selbstbewußtsein.  Das ist keine Sklavin, nein, ausgeschlossen. Eher schon Hoch- und Geldadel. Möglicherweise sogar Geistesadel. Spielt bestimmt Klavier und all so´n Zeugs. Eigenes Reitpferd, Ihr wißt schon, was ich meine. Gegen Atomkraft. Zumindest ziert ein „Atomkraft- Nein Danke!“ – Button ihre stonewashed Jeansjacke mit Label. Selbstverständlich kein Anti- Sklaverei- Spruch, das wäre ja illegal. Obwohl sich natürlich viele Youngsters nicht entblöden, genau deshalb rumzulaufen mit einem. So wie andere, sagen wir mal, ein Hakenkreuz tragen. Eines dieser durchgestrichenen, die trotzdem illegal sind, weil wir hier in Deutschland leben und Hakenkreuze in allen Formen unzulässig sind. Auch durchgestrichene.

Aber die Kleine hier ist sicherlich gegen Sklaverei, sonst würde sie nicht mit Anna rumziehen, ihr noch beim Tütentragen helfen. Das sind sie doch gerne, diese jungen Gestopften, während ihnen zuhause die Sklaven von Mami und Papi die goldenen Löffel in die Münder schieben.

(Übrigens- damit wir uns nicht mißverstehen. Auch ich bin gegen Atomkraft. Aber das ist ja wohl was anderes!)

„Ja gerne“, heuchle ich. Gottseidank habe ich den Ochsenziemer nicht in der Hand. Ursprünglich wollte ich ihn ja mitnehmen zum Tor, um Anna gleich mal seelisch zu foltern ein bißchen mit dem Anblick. Gegenüber dieser Elfe aus einem Reich ohne Not und Existenzangst wäre er aber eindeutig deplaziert. Direkt barbarisch. „Aber wartet dein Taxi nicht?“ „Das kann warten. Ich zahl ja schließlich dafür.“ Geldadel, klarer Fall.

Anna sagt kein einziges Wort, denkt also offenbar an das Redeverbot. Das gefällt mir. Schaut mich an aus großen Augen, ihre Hände zittern leicht. Sie hat Angst, das ist offensichtlich. Das gefällt mir noch besser. Sie beißt auf ihrer Unterlippe herum. Als sie merkt, dass ich sie beobachte, hört sie auf damit, versucht erst, mich scheu anzulächeln, senkt dann demütig den Kopf. Diese kleine Befreiungsaktivistin scheint ihn ihr also nicht vollständig verdreht zu haben, ich wußte doch, Anna ist im Grunde ein sehr vernünftiges Kind. Intelligent eben.

„Ja gut, dann kommt doch mal rin in die gute S-tube“ sage ich, wie die Norddeutschen es tun, mit spitzem „S“.

Die Kleine, wie hieß sie doch gleich, ach ja, Giselle, verdreht die Augen, versucht Blickkontakt herzustellen zu Anna.

Diese starrt sie nur an mit beschwörender Miene, schüttelt leicht den Kopf, als wolle sie sagen: „Provozier ihn nicht, bitte, provozier ihn bloß nicht.“

Gut, Scherz auf ländlichem Niveau nicht gut gelaufen. Vielleicht war es doch ein Fehler, die Großstadt zu verlassen, um hier langsam zu verbauern.

Ich versuche, Terrain wiederzugewinnen, indem ich nach Giselles Tragetüten greife. „Komm, laß mich die tragen, bitte.“

Sie überläßt mir die beiden Tüten. Und greift sich zweie von Annas. Die will sie erst gar nicht hergeben, schüttelt wieder so leicht den Kopf, läßt sie dann aber doch fahren. Wir gehen ins Haus. Giselle und ich voran, Anna hinterher.

Unterwegs frage ich Giselle: „Was ist denn eigentlich schiefgelaufen. Warum hast du sie mit dem Taxi herausgebracht? Was kriegst du dafür?“

Sie will nichts, gar nichts. Das sagst sie sehr energisch, ich insistiere wohlweislich nicht.

Sie tischt mir irgendeine Räuberpistole auf, ich höre gar nicht so genau hin. Erstens kann ich mir das in den Grundzügen sowieso denken, man hat sich wahrscheinlich festgequatscht irgendwo, möglicherweise sogar bei Giselle daheim, vielleicht auch in einem Cafe, und darüber die Zeit vergessen, und zweitens fasse ich den spontanen Entschluß, mich doch mal als Hobby- Folterer zu betätigen ein wenig heute nacht, ungeachtet meiner fehlenden Sachkunde, und Anna noch bevor der Hahn kräht zur Ablegung eines vollen Geständnisses zu bewegen.

Ich hatte nämlich heute nachmittag, während Anna weg war, wieder diesen einen Handwerker da, Ihr wißt schon, diesen einen, der auch den Stehsarg gebaut hat, Gottseidank war er kurzfristig verfügbar wegen einer Terminabsage, und der hat mir zwei  bis drei Änderungen eingebaut im Folterkeller. Und ich brenne darauf, sie auszuprobieren. 

Also jedenfalls, wenn man Giselle glauben darf, ist es ein Wunder, dass der Himmel über dem fernen Stuttgart so normal und friedlich daliegt. Das sollte man nach all den dramatischen und schrecklichen  Ereignissen, die sie so schildert und die es schier unmöglich machten, die Bushaltestelle zu erreichen ohne Dschungelkämpferausbildung, nicht erwarten. Eher schon die sieben Reiter der Apokalypse. Atompilze und so in die Richtung.

Ich nicke trotzdem dazu, als wäre das alles das Normalste von der Welt, streue nur hin und wieder ein „Ach was?“ ein. Falls das ein wenig sarkastisch klingt bisweilen, fällt es Giselle nicht auf.

Im Haus angekommen, schicke ich Anna in die Küche, Tee bereiten. Giselle hätte gern einen Tee, ich schließe mich dem an. Kaffee wäre mir zwar lieber gewesen, ich möchte Giselle gegenüber aber den Eindruck erwecken, als wäre ich ein rücksichtsvoller Herr, der seiner Sklavin keine unnötige Arbeit aufbürden möchte, wie sie das wahrscheinlich von zuhause kennt.

 

„Wow, das sind aber viele Bücher“, staunt sie, im Wohnzimmer angekommen.

„Ja, weißt du, es ist abends still hier und es gibt auch nicht so viele Zerstreuungen wie in der Stadt. Da lese ich viel.“

„Und das schöne Schachspiel. Ist das Alabaster?“

„Ja. Ich ziehe Alabaster Marmor vor, weißt du. Ich finde, das Licht scheint so schön hindurch, wenn man es gegen das Helle hält. Nimm ruhig eine Figur und probier es mal.“

Sie tut es ausgiebig und es sieht aus, als gefiele ihr der Effekt sehr.

„Schön. So eines will ich auch mal haben.“

„Nun, in einem halben Jahr ist doch bereits wieder Weihnachten“, schmunzle ich, „oder vielleicht hast du ja bald Geburtstag.“

„Geburtstag ist eher als Weihnachten“, lacht sie.

„Na siehst du!“

„Ja, aber sind die nicht sehr teuer?“

„Ach, weißt du, eines aus Holz ist natürlich billiger, aber die Welt kosten sie auch nicht gerade.“

Gesprächspause.

„Und- ist das nur Dekoration oder spielen Sie auch?“

„Aber klar spiele ich. Hat sie dir das nicht erzählt?“

„Wer?“

„Anna“

„Wie? Spielen Sie etwa gegen Anna?“

Ich merke, wie ich langsam durchkomme bei ihr mit dem positiven Image eines Sklavenhalters, der seine Sklavin als Mensch sieht in erster Linie.

„Aber ja doch. Sie ist sehr gut. War in ihrer Schulmannschaft, hat den Schulpreis gewonnen.“

„Und das stimmt wirklich? Sie spielen Schach mit ihr?“

„Ja, warum sollte ich das denn nicht tun? Findest du das etwa falsch?“

„Nein, ich finde es sogar großartig. Ich habe mich auch gleich prima verstanden mit ihr. Wir haben uns heute nachmittag gleich unsere Freundschaft gestanden“, verkündet sie gewichtig.

Aha. Nun, das werde ich unterbinden künftig.  Sag tschüß Tanzstunden, tschüß Ausgang, Anna. „Du Früchtchen kommst jetzt mal richtig unter die Knute. Dazu laß ich dich nicht springen, dass du dir gleich seelischen Beistand anlachst.“ Wie gut, dass Giselle nicht Gedanken lesen kann.

„Weißt du, Giselle, Leute, die ihre Sklaven nicht als Menschen ansehen, als ihresgleichen, sind Idioten in meinen Augen.“

So denke ich wirklich. Wer der Herr ist und wer der Knecht, das ist doch Zufall. Und wie schön, dass ein richtiges leidensfähiges, sensibles, intelligentes, zerbrechliches  Menschlein wie Anna mir in die Hände gegeben, mir ausgeliefert ist.

„Ich glaube, Anna sieht Sie zu negativ. Ich finde Ihre Einstellung eigentlich o.k. nach allem, was Sie so sagen“

„Ach? Was hat sie denn gesagt über mich.“

„Nein, mißverstehen Sie mich nicht, bitte. Ich will auch nicht, dass Sie  Anna schlechter ansehen jetzt, weil Sie vielleicht denken, sie würde sie schlechtmachen. Das ist nicht wahr, wirklich. Es ist nur so, ach, ich weiß auch nicht, wie ich das sagen soll, ich hatte das Gefühl, als wir uns vorhin unterhielten, Anna und ich, dass ich da irgendwie gespürt habe, als ob sie das erste Mal seit längerem wieder richtig frei und glücklich und sie selbst wäre. Aber das ist nur so ein Bauchgefühl, vielleicht täusche ich mich ja auch.“

„Hm, das was du da sagst, das macht mich jetzt direkt betroffen. Vielleicht sollte ich mit Anna mal reden drüber.“

„Ja, das sollten Sie wirklich tun, finde ich.“

Oh ja, das werde ich. Möglicherweise drehe ich die Daumenschrauben ganz allmählich immer enger, während der Erörterung dieses Themas. Oder ich verpasse ihr Elektroschocks.

Ich habe nämlich heute nachmittag einen ganz interessanten Chat gehabt in einem Internetforum. Unter diesen ganzen Aufschneidern und Spinnern, die die Folterforen heimsuchen (und natürlich nicht nur die), gibt es ganz vereinzelt hochkarätige Leute, ich vergleiche sie mit weißen Raben. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser daran, am Anfang dieser Generalbeichte, zu der meine Erzählung immer mehr wird, habe ich dieses Bild schon einmal gebraucht.  Es könnte sein, dass ich an einen solchen geraten bin. Sachkompetenz und diabolische Phantasien, Junge, Junge, dem möchte ich nicht in die Hände fallen. Aber er kann mir vielleicht weiterhelfen bei meinem Problem: wie foltere ich Anna?

Das einzig Dumme ist nur, wie alle wirklich guten Leute hat er wenig Zeit, wir bleiben in Kontakt, er wird mir Tips geben per E- Mail, per Telefon, aber ich soll nicht zuviel riskieren anfangs.

„Sie können sie schon mal antesten so ein bißchen, aber mehr so die klassischen Sachen. Sonst stirbt sie Ihnen womöglich unter den Händen weg und Sie sind der Gelackmeierte. Bestimmte Dinge probieren Sie vielleicht besser an Schweinehälften, wenn Sie die mit zu hoher Voltzahl grillen beispielsweise, können Sie sie immer noch aufessen hinterher. Dazu würde ich Ihnen nicht raten bei Anna, bevor das Kannibalismusverbot nicht gefallen ist.“ Dahinter hatte er so ein Lach- Smily gesetzt.

Man kann gut reden mit ihm, wirklich. Wir telefonierten. Ich sprach das Folterverbot an. Er lachte nur. Echt Gefolterte können Sie sogar zum Einkaufen schicken unbesorgt, meinte er. Die verstummen irgendwann, vertrauen sich von sich aus keinem Menschen mehr an.

Ich sprach meinen inneren Zwiespalt an, Anna auf der einen Seite schwer foltern zu wollen, bis zum Tod idealerweise, sie mir auf der anderen Seite aber als hündisch ergebene Sexsklavin halten zu wollen, so lange es nur geht. Bei gleichzeitiger seelischer Schwingungsfähigkeit. Wenn das überhaupt geht.

Tja, wenn sie mal tot seien, bliebe nur noch Leichenschändung. Davon rate er bei der herrschenden Gesetzeslage allerdings fast genauso ab wie vom Kannibalismus. Seelische Schwingungsfähigkeit- auch so ein Problem: Leute, die der womöglich wiederholten oder gar regelmäßigen Folter unterlägen, stumpften ab. Das sei nur natürlich. Man könne ihnen da nur längere Ruhephasen geben, die für die Betroffenen auch wirklich als völlig folterfreie Intervalle ausgewiesen würden und wo sie sich hundertprozentig verlassen könnten drauf. 

Foltern und Verfügbarkeit: gar kein so großes Thema. An der Folter zerbrächen in erster Linie nur Individuen, die noch nicht genügend konditioniert wären.

Eine vollständige Abrichtung im Sinne einer echten Vollversklavung, und das sei es ja, was ich mir auf der einen Seite ersehnte bei Anna, wenn er mich richtig verstehe (ich bejahte), brächte immer eine völlige Selbstaufgabe und Identifikation mit dem Befehlsgeber mit sich. So was nenne man „induzierten Masochismus“, der, im Unterschied zum „echten“, immer wieder „aufgefrischt“ werden müsse, da er erlernt sei.

In diesem Zustand kann das Objekt Lust empfinden, wenn es dem Willen und den Launen des Befehlsgebers unterworfen und ausgeliefert ist. In dieser Verfassung  sei Folter am ehesten möglich, ohne dass die Objekte daran zerbrächen. Gleichzeitig wirke sie als Verstärkung des vorerwähnten erlernten Masochismus.

Also der Kreis schließe sich damit gewissermaßen. Aber eine gewisse Abstumpfung des Objekts sei trotzdem unvermeidlich, das sei nun mal nicht zu ändern.

„Auch  ist eine echte Vollversklavung nicht einfach zu erreichen, mein Lieber.  Angstbesetztes Anpassungsverhalten ist noch kein Masochismus. Lediglich eine Voraussetzung, ihn vielleicht zu erreichen eines Tages. Angst spielt natürlich eine große Rolle im Konditionierungsprozeß. Wie Demütigungen, Erfahrungen vollständigen Ausgeliefertseins, sexueller Mißbrauch etc.“

Diese komplexen Regelbeziehungen wären für den Laien in der Tat kaum beherrschbar. Er rate dringend zu der Investition in eine professionelle Sklavenschule, Mindestdauer sechs Wochen.

„Was, so schnell kann das gehen unter Umständen?“

„Unter Umständen, ja. Vom Rest sind viele bereits nach acht Wochen soweit.“

Ja Gottverdammich, das wäre ja direkt noch im Bereich des Möglichen mit dem Rest meines Erbes.

„Gut. Einen Schritt nach dem anderen. Jetzt lassen Sie sie erst mal profimäßig abrichten, auch wenn´s nicht billig ist. Dann trete ich auf den Plan. Ich tu´s für Gotteslohn.“ Wir lachten.

Wie gut, dass Giselle nicht Gedanken lesen kann. 

 

 

 

 

Kapitel 35

 

Ich habe Giselle mit einem prächtigen Bildband über die St. Petersburger Eremitage versorgt, den sie „supertoll“ fand und in den sie sich auch sogleich vertiefte.

„Ich geh mal eben nach Anna gucken, wo sie bleibt. Vielleicht benötigt sie ja Hilfe.“

„Soll ich nicht mitkommen? Ich könnte ja auch was helfen.“

„Nein, nein, das ist doch nicht nötig. Außerdem bist du ja mein Gast. Wahrscheinlich ist sie ja auch gleich fertig, ich schau mal nur so für alle Fälle.“

„O.k.“

Anna ist jetzt schon verdächtig lange mit dem Bereiten des Tees zugange. Eine Viertelstunde, was treibt sie nur die ganze Zeit?

Sie soll sich mehr beeilen gefälligst. Schließlich soll sich Giselle nicht festsetzen hier, ich möchte sie eigentlich so schnell als möglich hinaus komplimentieren  wieder.

In der Küche ist Anna gerade damit beschäftigt, kunstvoll Sahnekleckschen auf Kuchenstücke zu verteilen. Sie summt dabei vor sich hin. Den Donauwalzer. Komisch.

Der Rest- Teekanne, Kandiszucker mit Zuckerzange,  ein Kännchen mit Kondensmilch, diese dünnen Tassen nebst den passenden Untertassen und Kuchentellern für zwei Personen, steht alles schon auf einem Tablett bereit. Natürlich auch die Löffelchen und Kuchegabeln.

Sie trägt ihre Serviererinnen- Uniform. Schleife der Zierschütze adrett gebunden über ihrem kleinen Knackarsch. Appetitlich sieht sie aus, meine Kleine. Nichts fehlt oder ist in Unordnung, selbst das weiße Kellnerinnen- Krönchen sitzt akkurat im Haar.

Dennoch überkommt mich kurz Ärger. Deswegen hat sie so lange gebraucht also, sie hat sich noch umgekleidet vorhin ohne ausdrücklichen Befehl, statt sich zu sputen. Dann fällt mir noch rechtzeitig ein, dass es sich dabei ja um eine allgemeine Anordnung von mir handelt, wie sie Gästen aufzuwarten hat, wenn  nicht ein explizit anderslautender Befehl erging. Im Grunde zeigt das, wie sehr sie sich bemüht, meinen Anordnungen nachzukommen.

 

Als sie meine Gegenwart bemerkt, bricht das Summen abrupt ab. Mit konzentriertem Gesichtsausdruck, die Zungenspitze zwischen die Lippen geschoben, kleckst sie weiterhin mit der Sahne rum.

Ich klatsche in die Hände, mache das „Komm- mal- her“- Zeichen mit dem Zeigefinger.

Gleich kommt sie folgsam angetrabt, stellt sich einen halben Meter vor mir kerzengerade auf, Hacken zusammen, die Arme hält sie seitlich nah am Körper. Kopf gerade aus. Kaut rum auf ihrer Unterlippe.

„Anna !“

„Ja, Herr?

„Stell drei Gedecke auf´s Tablett. Du ißt mit uns.“

Erstaunte Augen. „Ja, Herr.“

 

„Herr?“

Eigentlich ist unsere Konversation zum Zecke der Befehlserteilung vorbei und sie hat strenggenommen wieder Redeverbot.

Ich winke sie wieder heran. Sie stellt sich erneut auf vor mir, in der gleichen Haltung wie vorhin.  Macht ihr Ohrfeigengesicht, weiß offenbar, dass sie eigentlich gar nichts hätte sagen dürfen.

Nur- diesmal muß ich es ihr durchgehen lassen. Ohrfeigen klatschen, Giselle könnte es hören. Auch andere Bestrafungsmethoden, wie zum Beispiel das sehr schmerzhafte Ausreißen kleiner Haarbüschel in der Schläfengegend, verbieten sich. Das dauert nämlich, bis man die in der Hand hält, die Haare, vorher muß man recht heftig ziehen und reißen, weil die Haut in diesem Bereich ein Stück weit mitgeht und die Haare fest sitzen. Anna jammert jedesmal ziemlich während dieser Prozedur. Also das geht auch nicht.

Von daher ignoriere ich ihren Fauxpas.

Stumm starrt sie mich an, bittend. Öffnet den Mund halb zum Sprechen, es kommt aber kein Laut über ihre Lippen.

„Nun red schon.“

„Danke, Herr, danke, dass ich reden darf.“
Pause.

„Herr?“

„Ja, was ist  denn?  Raus mit der Sprache, Giselle wartet auf den Tee.“

Sie drängt sich auf einmal an mich, legt mir leicht die Arme um den Hals, reibt ihren Unterleib rhythmisch gegen mein Glied. Sie tut es sehr konzentriert, schaut mich nicht an dabei. Lernen sie das in ihrem Bauchtanzkurs? Dann ist es direkt schade, dass ich sie da nicht mehr hingehen lassen kann.

Mein Glied versteift sich schnell.
„Herr, die kleine Anna wollte nur sagen, wie sehr leid es ihr tut, dass sie sich so verspätet hat. Die kleine Anna bittet Sie ganz arg um Entschuldigung deswegen und bittet um eine milde Strafe. Bitte strafen Sie mich mild, ja? Die Giselle hat mich um meine  Gesellschaft gebeten, und da habe ich mich nicht getraut „Nein“ zu sagen. Und später kam dann noch diese Tante von ihr, ich meine in dieses Cafe, in dem wir saßen, und da mußte ich auch noch bleiben.“

Das klingt zwar wesentlich plausibler als Giselles Lügenmärchen, aber die Wahrheit ist es natürlich auch nicht.

Sie umarmt mich jetzt ganz fest, schmiegt ihre weiche Anna- Wange an meine. „Strafen Sie mich mild, ja? Vielleicht nur fünf mit der Hundepeitsche, Herr, geht das bitte? Oh bitte, bitte, biiitte“, bettelt sie. Wendet ihren Kopf, sucht meinen Mund.

Das hatten wir doch schon mal, ganz zu Anfang, als sie noch neu war  in meinem gastlichen Etablisment. Ich dachte, das hätten wir hinter uns. So kann man sich täuschen. Sieht so aus, als hätten so gewisse radikale Ansichten über die Freiheit aller Menschenkinder doch stärker abgefärbt, als es zuerst den Anschein hatte.  Oder als sollte mein neuer „peronal advisor on slave matters“, wie ich ihn so nenne bei mir, recht behalten.                                    

Angstbesetztes Anpassungsverhalten ist eben doch keine echte Unterordnung. Na ja, die Kosten für den Tanzkurs spare ich jetzt ja, noch nicht mal eine Stornogebühr ist fällig nach der ersten Stunde. Sie gilt als Schnupperstunde. Da ist die Differenz zu sechs bis acht Wochen Sklavenschule schon drin, auch wenn  selbst diese Summe ein gewaltiges Loch reißt in meine eiserne Finanzreserve.

 

Ich mache mich los, schiebe sie vorsichtig weg von mir. Keine Schläge, kein Rumgeschubse heute abend, mit Giselle nebenan.

 

„Anna, ich verspreche dir nur, dass du keine Schläge erhalten wirst für diesmal. Aber bestraft wirst du. Wenn du mir hilfst, Giselle unauffällig  möglichst schnell loszuwerden, wird sie weniger hart ausfallen, deine Tortur. Bist du damit einverstanden?“

Sie nickt. „Ja, Herr.“

„Ich möchte nicht, dass sich meine Methoden rumsprechen, was ich hier in meinen vier Wänden anstelle mit dir, geht niemand etwas an. Schon gar nicht irgendwelche vorlauten kleinen Befreiungsaktivistinnen und Anti-Sklaverei-Liga- Sympathisantinnen,   verstanden?“

Anna weicht alle Farbe aus dem Gesicht. Bingo! Sie kann  ja  nicht wissen, inwieweit mir Giselle ihr Herz ausgeschüttet hat im Wohnzimmer.

Gut, ich meinerseits bin allerdings auch nicht im Bilde darüber, was ihr Anna alles anvertraut hat über mich während des intimen  Zusammenseins in diesem Cafe.

Mit der Klärung dieser Frage beschließe  ich allerdings noch zu warten, bis sich Giselle verabschiedet hat, bis ihre Freundin Anna  unter der Folter zu völliger Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe zurückfindet.  

Um ganz auf Nummer Sicher zu gehen, setze ich noch eines drauf, sage mit wölfischem Lächeln: „Und das ist sie doch, unser kleines Oberschichten- Kind, nicht wahr?“

Anna nickt eifrig, stotternd sprudeln die Worte nur so raus aus ihr: „Ja, Herr, das ist sie. Die hat keine Ahnung vom Leben, von Recht und Unrecht, der ist es völlig egal, was Sie bezahlt haben für mich, der ist das doch gleichgültig,  und ich durfte ja nichts sagen dagegen, als sie solche Reden geschwungen hat, weil das steht mir doch nicht zu als Sklavin, Herr, einer Freien gegenüber, meine ich, auch wenn ich alles für  ganz schrecklich falsch...“

Mit einem leichten Schlag des Handrückens auf ihren Mund bringe ich ihren Redefluß zum Schweigen.

Mehr will ich gar nicht wissen im Moment.

„Gut, wir gehen jetzt rein. Du wirst dich ganz natürlich benehmen und etwas Konversation machen mit ihr. Rede über Schach und dass du besser spielst als ich. Stimmt ja auch. Den Rest überläßt du mir, kapiert?“

„Ja, Herr. Soll ich sie nicht doch bitten, zu gehen, weil ich mich nicht wohl fühle? Oder weil ich müde bin? Ich als ihre Freundin...“ , erschrocken hält sie inne, das hat sie nicht ausplaudern wollen.

„Laß nur, Anna, ich weiß ohnehin Bescheid. Die ist halt sehr redselig, deine Freundin.“

Anna sinkt förmlich zusammen in sich, wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hat. Läßt den Kopf hängen.

„Herr?“ würgt sie hervor, tonlos.

„Ja, Anna!“, herrsche ich sie barsch an, „was ist den JETZT noch?“

„Herr, darf ich sie nicht bitte doch immer mal wieder sehen gelegentlich. Ich meine, sie könnte mich doch besuchen kommen und wir reden nur unter ihrer Aufsicht miteinander....“

Mit einer Handbewegung schneide ich ihr das Wort ab. Dass da immer noch das Problem wäre mit unbeaufsichtigten Treffen im  Tanzkurs, dessen endgültiges „Aus“ für sie ich ihr noch nicht mitgeteilt habe, scheint sie nicht zu bedenken im Moment.

Ich tätschle ihre Schulter: „Mal sehen, Anna, mal sehen. Ich denke, wir finden schon eine Lösung. Je mehr du mir jetzt mithilfst, sie schnell loszuwerden heute abend, aber das überläßt du letztlich mir, machst nur Konversation, um so häufiger werde ich das auch gestatten.“

Ich greife nur ungern zu direkten Lügen, hier ist es aber geboten, um das Verfahren abzukürzen ein wenig.

„Ja, Herr, ich werde Ihren Befehl befolgen. Entschuldigen Sie bitte meine Impertinenz von eben.“

Na, die kennt aber Worte, meine kleine Anna. So was!

 

 

 

 

Kapitel 36

 

Giselle ist immer noch ins Betrachten vertieft, es sieht nicht danach aus, als ob sie sich gefragt hätte, wo wir denn so lange bleiben. Wahrscheinlich hat sie nicht einmal gemerkt, dass wir noch mindestens eine Viertelstunde brauchten, um endlich mit dem Teeservieren zu beginnen. Ich trage das schwerere Tablett mit den Utensilien, Anna eine zweites mit den Kuchenstücken.

„So, da wären wir. Du hast dich doch hoffentlich nicht gelangweilt. Hat  noch gedauert ein bißchen. Anna und ich, wir haben uns noch verkünstelt mit dem Kuchen, haben so Sahnekleckse drauf gemacht“

Giselle blickt auf. Ihr Blick bleibt hängen an Annas Aufzug. Sie zieht die Augenbrauen nach oben. Legt den Bildband weg.

„Nein, ich habe mich überhaupt nicht gelangweilt. Das ist ein prima Bildband, den Sie da haben, tolle Reproduktionen. Aber Anna, sag mal, wie läufst DU denn rum?“

Ich weiß jetzt nicht, worauf sich diese Frage konkret bezieht. Meint sie die Hausmädchentracht als solche? Aber so ungewöhnlich ist das doch nicht, dass Sklavinnen so was tragen, ich meine, selbst Zimmermädchen in Hotels tragen sowas, und das sind Freie.

Oder meint sie das arg kurze Röckchen?

Anna blickt mich hilfesuchend an, weiß nicht, was sie sagen soll.

Ich doch auch nicht, und wenn, könnte ich es ihr doch nicht soufflieren, verdammt noch mal. Sie soll  in Dreiteufelsnamen einfach reden, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.

Giselle kommt uns zuvor. Schlägt kichernd die Hand vor den Mund, die Augen funkeln fröhlich.

„Ich meine  dieses Röckchen, Anna. Da sieht man ja die Haare auf deiner...., na du weißt schon.“ Sie lacht fröhlich und unbeschwert. „Anna, Anna, du bist mir vielleicht ´ne Marke. Du wirst deinem alten Herrn noch völlig den Kopf verdrehen, wirst schon sehen.“ Na, so  alt bin ich denn doch wieder auch nicht!

„Wirklich, Sie sollten es ihr verbieten, das ist ja direkt unanständig“, spricht sie, an mich gewandt. „Anna, du bist pervers.“

Mit hochrotem Kopf stellt Anna das Tablett ab, beginnt den Tisch zu decken.  Flink hilft ihr Giselle, während ich Tee einschenke, die Kuchenstücke verteile. Anna will sich extra setzen, auf einen Sessel, nicht aufs Sofa.  Giselle nimmt einfach ihr Geschirr, stellt es neben ihres.

Wir setzen uns.

„Guten Appetit“, sage ich.

„Danke, gleichfalls.“ Giselle.

Anna ist immer noch puterrot, versuchte im Hinsetzen, ihr Röckchen nach unten zu zerren ein wenig, natürlich vergebens.

Gutgelaunt stößt Giselle Anna an. „He, war doch nicht so gemeint eben. Ich weiß doch, dass du ein wenig, na sagen wir mal, frühreif bist.“

Anna beißt die Lippen zusammen, wird noch röter, Tränen kullern über ihre Wangen. Giselle ist so perplex, dass sie die Kuchengabel fallen läßt. Sie nimmt Anna in die Arme, drückt sie fest an sich. Gibt ihr einen dicken Kuß auf die Wange.

„Du, ich entschuldige mich bei dir. Tausend Mal. Sag, was ich tun soll, damit du mir verzeihst. Ich tu´s, hundertprozentig!.“

Da Anna immer stärker weint, in sich zusammengesunken, wird Giselle immer aufgeregter, rüttelt Anna sacht bei den Schultern. „Hey, Anna, ich sag doch, dass es mir total leid tut. So total wie noch nie was in meinem Leben. Echt hey. Ich hätte das nie sagen dürfen, was ich eben gesagt habe, schon gar nicht in Gegenwart deines Herrn.“ Anna gibt ihr keine Antwort, wird von Schluchzern geschüttelt.

Verzweifelt blickt Giselle auf mich.

„Bitte, Sie müssen wissen, dass ich von Anna eine total hohe Meinung habe, ich wollte doch nur rumflachsen eben. Bitte sagen Sie ihr doch, dass Sie nie geglaubt hätten, ich hätte das ernst gemeint.“

„Giselle, ich möchte, dass du jetzt gehst“, stößt Anna auf einmal hervor.

„Was? Aber Anna, wir sind doch Freundinnen. Du, ich hab dich so total lieb, als ob wir uns schon mindestens tausend Jahre kennen würden.  Und nicht erst ein paar Stunden. Anna, ich werde meinem Vater sagen, dass er dich kaufen soll für mich. Egal, was dein Herr verlangt, mein Vater wird dich kaufen. Wir haben das Geld, Anna, bitte glaube mir, und dann lasse ich dich frei, Anna.

Ich lasse dich frei, hundertprozentig! Aber bitte schick mich nicht so weg jetzt, sag, dass du mir vergibst. Bitte!“

Na, bei diesem Verkauf Annas, da habe ich ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden. Soviel Geld hat dein Vater gar nicht, als dass er mir das Vergnügen, dass mir Annas Degradierung auf einen subhumanen Status noch bereiten wird, abkaufen kann.

Außerdem, er wird die sentimentalen Überspanntheiten seines Töchterchens zwar sicherlich mit väterlichem Wohlwollen betrachten, aber ihr jeden Tag für teures Geld eine neue Sklavin zu kaufen, die einen Tag später als freier Mensch aus dem Haus spaziert, das dürfte selbst den reichsten Mann in den Ruin treiben auf Dauer. Das alles behalte ich selbstverständlich für mich feinstill.

 

Anna wird ruhiger, macht sich frei aus Giselles Umarmung. Diese sitzt neben ihr, und wenn je ein Mensch todtraurig und von tiefer Reue erfüllt dreingeguckt hat, dann sie.

„Giselle“, bringt Anna hervor, in einem hohen Diskant. „Du verstehst einfach nicht. Ich bin eine Sklavin, SEINE Sklavin.“ Deutet auf mich.  „Selbst wenn dein Vater mich kaufen wollte, aber warum sollte er das tun, überleg doch mal, du spazierst da zuhause rein und sagst, he, kauft mir eine, ich möchte sie freilassen....“ Sie schüttelt nur den Kopf, schnieft. Giselle reicht ihr ein Taschentuch. Anna schneuzt sich.

„Anna, er wird dich kaufen. Wenn er mir das abschlägt, bin ich nicht mehr seine Tochter.“

„Träum weiter“, denke ich, „du hast sehr viel zu verlieren. Und dein Daddy ist mit Sicherheit auch nicht reich geworden durch karitative Werke.“

„Träum weiter, Giselle“, vernehme ich Annas Stimme, „aber bedenke:  du hast Einiges zu verlieren.  Würdest du wirklich bis zur letzten Konsequenz gehen wegen mir? Frage dich das selbst, Giselle. Und dein Vater, der wird sein Geld auch nicht verschleudern, denke ich“

„So, du denkst, das ist nur so eine Laune von mir, die Laune eines reichen Görs, das ist es doch, was du denkst, oder? Dass mir Geld wichtiger wäre als Freundschaft. Wenn du so wenig von mir hältst, also dann weiß ich auch nicht...“

Das Ende einer schönen Freundschaft, schmunzle ich zufrieden in mich hinein.

Anna hält sich die Ohren zu.

 

„Giselle, du kapierst einfach gar nichts. Ich habe nur zwei Menschen lieb gehabt in meinem Leben. Einer davon war meine Mutter. Meinen Vater habe ich fast nie gesehen, mein Herr hat ihn fast ständig ausgeliehen an seinen Bruder, damit er ungestörter meine Mutter pimpern konnte. Und der wollte sowieso nichts von mir wissen, hat mir mal gesagt, er hätte mich zeugen müssen, weil es ihm befohlen wurde. Und als ich fünfzehn war, wurde er sowieso verkauft.

Und der zweite Mensch, Giselle, den ich echt liebhabe, das bist du, Giselle. Ich schwör´s, bei allem was mir heilig ist. Als  ob du meine Schwester wärst. Glaub mir´s, ja?“

Giselle machte den Mund auf, wollte was sagen.

Nun, das war ja psychologisch alles sehr interessant, was ich da an authentischem Material zu hören bekam. Die beiden schienen meine Anwesenheit völlig vergessen zu haben. Recht so, sprecht euch aus.

„Nein, Giselle, laß mich ausreden, bitte, ja? Ich bin doch überhaupt nicht sauer mit dir, kapier das doch, da gibt´s nichts zu verzeihen.  Sicher, deine Bemerkungen waren jetzt nicht so taktvoll, aber was soll´s! Das geht mir doch am Arsch vorbei, also da habe ich schon Schlimmeres ausgehalten, glaub´s nur.“

„Ich weiß“, dachte ich, „aber wart´s mal ab, was noch alles kommt.“

„Nein, Giselle, es ist wegen ihm.“ Sie deutete auf mich, warf mir einen Blick flammenden Hasses zu. 

„Nur weiter so, ich mag es, wenn ihr so richtig in Wallung geratet“, grinste ich in mich hinein.

„Das Schwein will mich fertigmachen und er wird es auch schaffen. Der verkauft mich auch nie, nicht für eine Million Euro. Dazu hat er viel zu viel Vergnügen daran, mich ganz langsam zu erledigen. Er ist kein Mensch, Giselle, er sieht nur so aus wie einer.“ Erschöpft brach Anna ab.

 

Verwirrt schaute Giselle zu mir. „Ja, sind Sie denn wirklich so ein böser Mensch?“, fragte sie mich ratlos. Verzweifelt heulte Anna auf, barg ihren Kopf in den Armen. Ließ sich seitlich aufs Sofa fallen, mit angezogenen Beinen. Als sei sie ein Kind, das sich zurück wünscht in den Mutterleib. Ihr ganzer Körper bebte wieder vor Schluchzen. 

Statt einer Antwort berührte ich Giselle leicht am Arm.

„Tut mir leid, dass das jetzt alles so geendet hat“, sprach ich leise. „Aber ich möchte dich bitten, jetzt zu gehen. Du siehst, Anna geht es nicht gut.“

„Ja, aber gibt es denn nichts, was ich noch tun könnte?“

„Nein, ich glaube nicht. Sie braucht jetzt Ruhe. Und ich bin ja da und kümmere mich um sie. Sie wird die Nacht an einem ruhigen Ort verbringen, glaube mir, und morgen werde ich mich mal ganz lange  unterhalten mit ihr.“

„Ja, aber warum sagt sie denn all diese häßlichen Sachen über Sie?“, wisperte sie verzweifelt.

„Ich glaube, ihr Vorbesitzer, dass war sicherlich ein ziemlicher Teufel. Ich habe ihn ja kennengelernt, bei den Verkaufsverhandlungen. Ein Kind weg zu verkaufen, einem Kind seine Mutter wegzunehmen, das mußt du dir mal vorstellen. Er wollte sie partout loshaben, hat sie vergewaltigt, seit sie  dreizehn war, unglaublich! Aber bitte, sie ist ja „nur“ eine Sklavin, da ist das ja legal“, schnaubte ich mit gut gespielter Empörung. („Mein Gott, an dir ist ein großer Mime verloren gegangen“, schmeichelte ich mir in Gedanken)

„Wahrscheinlich wurde sie zu alt für seine Zwecke“, fuhr ich fort. „Er konnte sie nicht mehr gebrauchen. Ich habe noch versucht, Annas Mutter  mit zu erwerben, obwohl ich auch nicht so wohlhabend bin, weißt du, aber da war nichts zu machen. Sie soll mir noch ein Neues werfen, das waren seine Worte. Da habe ich wenigstens Anna gerettet, er hätte sie vielleicht sogar umgebracht, wer weiß? Diesen Perversen ist allerhand zuzutrauen.“

„Ja, das hat mir Anna erzählt, sie hat was erzählt von einer Vergewaltigung, aber nur von einer. Und sonst wäre das ein guter Herr gewesen.“

„Giselle, hast du schon mal was von Verdrängung und Übertragung gehört?“, fragte ich sie. „Das sind Begriffe aus der Psychologie.“

„Ja“, meinte sie. „Ich weiß aber nicht genau, was das ist.“

Ich schielte rüber zu Anna. Sie war immer noch in ihrer fötalen Haltung,  atmete ruhig, schlief den Schlaf völliger seelischer Erschöpfung . Heute würde es wohl nichts mehr werden, sie würde die Nacht tatsächlich hier an diesem ruhigen Ort verbringen.

Ich stand auf, deckte sie fürsorglich zu mit einer Decke. Nachher, wenn Giselle weg war, bekäme sie auch noch Fußeisen.

 

„Also gut, ich will versuchen, es dir zu erklären. Ihr Herr war seelisch ihr Vater für sie, ihr richtiger hat sie ja abgelehnt, wie sie uns mitgeteilt hat.“ „Ja, stimmt.“

„Also, der war aber auch sehr grausam zu ihr. Hat sie vergewaltigt und was er sonst noch mit ihr angestellt hat, wissen wir nicht. Oder hat sie dir was erzählt?“ Giselle schüttelte den Kopf.

„Weil sie aber dringend einen Vater gebraucht hat, mußte sie das so gut als möglich verdrängen, indem sie ihn idealisierte, wie´s halt nur ging. Verdrängtes will aber immer nach oben, der Druck dieses Unmenschen, der für sie der Vater war seelisch,  war aber zu stark.

Jetzt ist sie bei mir. Sie möchte den Vaterersatz, so nenne ich ihn mal, aber weiterhin behalten. Also stattete sie MICH ein Stück weit mit den verdrängten Eigenschaften aus. Das nennt man Übertragung. Und weil ich halt nie eigene Kinder hatte, konnte ich nicht so gut umgehen damit anfangs, habe verletzt reagiert. Deswegen bin ICH jetzt mehr oder minder der Unmensch für sie , der eigentlich ihr Vorbesitzer ist. Aber jetzt habe ich das ziemlich gut durchschaut, was sich da abspielte, und versuche, meine Fehler wieder gut zu machen, nicht mehr verletzt zu reagieren und Vertrauen aufzubauen bei ihr. Aber das ist natürlich ein langwieriger Prozeß, wenn man so viel hinter sich hat wie Anna.“

Das schien Giselle alles einzuleuchten, mit warmen und dankbaren Augen blickte sie mich an, während ihre kleine Freundin auf dem Sofa ruhig schlief.  Der Sturm hatte sich gelegt.

Ich gab ihr noch meine Telefonnummer, das heißt meine alte, zur Sicherheit noch mit einem Zahlendreher drin, jedoch mit meiner jetzigen  Vorwahl. Falls es da mal irgendwie noch  Ärger oder Rückfragen geben sollte deswegen, konnte ich mich auf Zerstreutheit herausreden und meinen kürzlichen Umzug mit Wechsel der Telefonnummer. Darüber schrieb ich: „Annas Herr“, um meine Anonymität zu wahren.

Giselle las den Zettel.

„Danke“, sagte sie. „Ich kenne ihren Namen selbstverständlich. Anna hat ihn mir gesagt.“ Und unter „Annas Herr“ schrieb sie den Namen auf dem Klingelschild.  Den des verblichenen Vorbesitzers dieses Anwesens, den der grüne Rasen deckt.

Unter dem ich  auch die Rechnungsstellung  telefonisch vereinbart hatte für die Waren, die Anna besorgen mußte für mich.  (War kein Problem, die Postanschrift stimmte.) Arme kleine Närrin Anna. Da war ich doch schlauer gewesen als sie.

Das war natürlich alles kein wirklicher Schutz davor, dass Giselle oder ihre Familie nicht doch rankamen an mich, wenn  sie es darauf anlegten. Es war nicht gerade eine Geheimdienstoperation, was ich da abzog. Aber es würde die Sache doch erschweren. Und ich wünschte von dieser Seite aus keine Belästigung mehr, falls es sich vermeiden ließe.

  

Giselle würde ihr Leben weiter leben, vielleicht wusch ihr ja auch ihr Vater oder sonst ein verantwortungsbewußter Mensch in ihrer Familie mal ordentlich den Kopf, wenn sie anfing mit ihrer „Anna“- Heulgeschichte.

Wenn sich dann beim Versuch einer Kontaktaufnahme erst mal scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten ergaben, würde sie es bald aufstecken.  Hoffte ich zumindest.

 

Nach dem vorsichtigen Anlegen der Fußfesseln, während dem sie zwar ein paarmal zuckte, aber nicht erwachte; einmal murmelte sie: „Mama, hör auf. Nicht kitzeln“, schaltete ich noch mal den Compi ein und checkte die Mails.

Es befand sich eine darunter von meinem „personal advisor“, mit ein paar der versprochenen Tips. Ich druckte sie gleich aus, dann legte auch ich mich zu Bett.

 

 

 

 

 

Kapitel 37

 

 

Am Morgen erwachte ich früh, fühlte mich frisch und ausgeruht, hatte Hunger und Kaffeedurst. War aber auch ein anregender Abend gewesen gestern. Das Leben schrieb doch die besten Geschichten. Solche Dialoge- einfach unbezahlbar! Sowas kriegt kein Autor hin, höchstens ein sehr guter. (Anmerkung des Verfassers: verstecktes Eigenlob.)

Es gibt so Tage, die beginnen dermaßen perfekt, dass nichts ihren Verlauf trüben wird. Passend dazu zwitscherten die Vögel laut, hier draußen gibt es jeden Morgen ein Frühkonzert durch Mutter Natur in den warmen Jahreszeiten, nicht so wie in der Stadt, wo man höchstens mal eine Amsel pfeifen hört. Oder das Tschilpen von Spatzen, die sich irgendwo unsichtbar streiten um ein paar Brotkrumen.

Passend dazu lugte schon die Sonne durch die Ritzen der Fensterläden (jawohl, das ist so ein richtig altmodisches Haus, das ich geerbt habe, mit grünen Fensterläden statt so langweiliger grauer Jalousien), malte dünne leuchtende Streifen auf den Teppich.  Es versprach ein herrlicher Tag zu werden. Man sollte ihn am Baggersee verbringen und nicht im fensterlosen Folterkeller!

 

Beschwingt stand ich auf, fuhr in meine ledernen Hauspantoffeln, schlüpfte in meinen Morgenrock.

Ging pfeifend ins Wohnzimmer, schlug spielerisch die Hundepeitsche im Takt dazu.

Dort war Anna auch schon aufgewacht, saß auf dem Sofa, vornübergebeugt, die verschränkten Arme fest gegen den Leib gepreßt.

„Guten Morgen, Anna. Hast du gut geschlafen auf dem Sofa?“

Sie nahm keine Kenntnis von mir, erwiderte meinen Morgengruß nicht, blieb einfach so sitzen, wie sie war, in ihrer zerknautschten Kellnerinnen- Uniform, die Haare wirr, das Zier-„Krönchen“ schief auf dem Kopf.

Vorsichtig, um sie ja nicht zu erschrecken, legte ich die Hundepeitsche auf den Tisch, ließ mich neben sie gleiten auf das Sofa, legte sacht einen Arm um ihre Schultern, rüttelte sie leicht, so wie Giselle das gestern getan hatte.

„He, Anna, ich habe dir einen guten Morgen gewünscht. Schau mal, die Sonne lacht, und du guckst so finster.“ Ihr damaliger  Gesichtsausdruck kann nämlich nicht anders als als „verstört“ bezeichnet werden.

Erst reagierte sie wieder nicht, warf sich mir dann mit einem plötzlichen Aufheulen an den Hals.

„Oh Herr, ich bin ein böses Sklavenmädchen, ein böses Sklavenmädchen, und jetzt komme ich in das Sklavengefängnis, das Sklavengefängnis....“

Sie war in eine Art Singsang geraten, sprach ohnehin mehr zu sich selbst als zu mir.

Sie verschränkte ihre Arme wieder vor der Brust, wiegte den Oberkörper leicht hin und her. „Ins Sklavengefängnis, Sklavengefängnis....“

„Anna, jetzt hör mal...“

Keine Reaktion, immerhin hörte sie auf mit dem Singsang, saß auch wieder still da. Schaute geradeaus.

Ich faßte sie unters Kinn mit zwei Fingern, dreht ihren Kopf langsam zu mir. Nicht gewaltsam, nein, im Gegenteil- eher zärtlich fast.

„Anna. Dir ging es nicht gut gestern abend. Wir reden nicht mehr drüber, ja? Kein Mensch will dich ins Sklavengefängnis stecken deswegen, o.k.?“

Das hätte mir gerade noch gefehlt. Dort würden sie sie mir ja hin machen, und ich war jetzt fest entschlossen, den durch meinen Freund und Ratgeber, meinen „personal advisor“, Ihr wißt schon, vorgegebenen Weg zu gehen.

Unglauben in ihren Augen. Sie glaubte mir kein Wort mehr. Na ja, verständlich, aber sie würde schon noch merken, dass ich die Wahrheit sprach diesmal.

„Anna, ich meine es ernst. Du kommst nicht ins Sklavengefängnis. Ehrlich nicht. Ich schwör´s!“ Zwinkerte ihr zu. „Es war nur ein böser Traum gestern abend, jetzt ist Morgen, die Sonne scheint und hat ihn vertrieben.“

Da wurde sie mit einem Mal wieder ganz vertrauensselig, kuschelte sich mit einem Aufseufzen lächelnd an mich.

„Was soll ich zuerst machen, Herr? Ihnen einen blasen oder das Frühstück bereiten? Oder wollen Sie mich vielleicht in den Arsch ficken danach? Soll ich mir die Rosette einfetten schon mal?“

„Anna, jetzt kämmst du dich erst mal, und zieh auch dieses zeknautschte Ding aus.“ Ich wies auf ihr Outfit, in dem sie ja geschlafen hatte. „Du streifst dir einfach deinen Bademantel über, wir frühstücken dann erst mal und zwar gemeinsam. o.k.?“

„Ja, Herr.“

Behende sprang sie auf, wollte schon losstürmen. Ich konnte sie gerade noch festhalten an einer Hand. Sie wäre sicher gestürzt, es war ihr offenbar entfallen, dass sie noch die Fußeisen trug. Oder sie hatte es noch gar nicht bemerkt.

„Halt, halt, Anna, nicht so hastig. Warte. Ich muß doch erst noch diese Dinger aufschließen.“ Zog den Schlüssel aus der Tasche meines Morgenmantels.

 

 

 

 

 

 

Kapitel 38

 

Das Frühstück verlief harmonisch, Anna war mit meiner Erlaubnis sogar in den Garten hinausgehuscht, um ein paar Blumen abzuschneiden.

Die standen jetzt in einer Glasvase auf dem Frühstückstisch und leuchteten gelb.

Anna hatte auch Redeerlaubnis, von der machte sie aber nicht viel Gebrauch; um mich immer wieder verliebt anzustrahlen, dafür brauchte sie ihren Mund nicht. Nur ihre Augen.

Den Mund benötigte sie ohnehin, um sich mit gutem Appetit große Mengen reinzuschaufeln. Sie nahm schon zum dritten Mal nach vom Müsli.  Sollte sie. Die nächsten zwei bis drei Tage würden ja echt hart werden für sie, da konnte eine „Grundlage“ nicht schaden.

Während der Folter essen- das geht schon deswegen schlecht, weil da der Magen nichts annimmt in der Regel. Im Gegenteil, die kotzen alles Unverdaute dann wieder hoch meist ab einem bestimmten Zeitpunkt. Auch so ein unverzichtbarer Hinweis von meinem persönlichen Ratgeber.

Das hieße also, ich könnte diesen herrlichen Tag getrost noch am Baggersee verbringen, während ich Anna im Haus beschäftigen wollte. Sie bekäme Eßverbot, dann wäre bis zum Abend alles durchgeflutscht in den unteren Teil des Vedauungstrakts. „Sie muß sich ja nicht ankotzen unbedingt,“ dachte ich mir, „oder am End gar noch mich!“

Ich überlegte, ob ich ihr zur seelischen „Abschreckung“ (so wie man Eier abschreckt!) nicht gleich reinen Wein einschenken sollte über meine finsteren Pläne, entschied mich denn doch dagegen. So stabil war sie erstens  noch nicht und zweitens hatte sie fast schon so was wie ein moralisches Anrecht auf einen unbeschwerten Tag vor ihrer ersten echten Folterung. Ich wischte mir den Mund ab mit der Serviette.

„Anna!“

„Ja, Herr?“

„Ich gehe heute an den Baggersee und bin so um sieben wieder zurück. Mach hier inzwischen alles picobello sauber, alles außer dem Folterkeller, hörst du?“ Im Folterkeller, da warteten ja ihre Überraschungen. „Und Abendbrot steht auch auf dem Tisch, aber pünktlich, verstanden?“

„Ja, Herr.“

Sie begann den Frühstückstisch abzuräumen.

Während ich meine Schwimmsachen zusammenpackte, hörte ich sie glücklich und zufrieden vor sich hinträllern, dieweil das Geschirr leise in der Spüle klirrte.

Ich streckte noch mal den Kopf in die Küche, bevor ich ging.

„Ach ja, Anna, bevor ich es vergesse. Eßverbot für den Rest des Tages, gell? Nicht dass du mir zu fett wirst.“

Demütig gesenktes Haupt über dem Schmutzgeschirr.

Leise Stimme.

„Ja, Herr. Verzeihung, dass ich so viel gegessen habe.“ 

 

 

 

 

 

Kapitel 39

 

Abends holte ich dann nach, was ich am Morgen noch aufgeschoben hatte. Ihr reinen Wein einschenken.

Sie wartete mir mustergültig auf während des Essens, nackt, nur im Höschen, wie ich es befahl. Als ich fertig war, wollte sie wieder abräumen. Ich ergriff sie bei beiden Handgelenken, hinderte sie daran.

„Anna, setz dich. Ich habe mit dir zu reden.“

Gehorsam setzte sie sich auf ihren Allerwertesten, mir gegenüber.

„Anna, ich habe dir versprochen, dass dein gestriger Ausbruch keine Folgen nach sich ziehen wird und dabei bleibt es.“

Sie deutete auf ihren Mund, ob sie sprechen dürfe.

„Sprich schon. Du hast Redeerlaubnis.“

„Danke, Herr, vielen Dank. Danke, dass Sie mir eine solche Gnade gewähren. Danke, lieber Herr.“

„Aber dein einstündiges Zuspätkommen gestern, das lasse ich dir nicht durchgehen.“

Sie erschrak. In ihrer grenzenlosen Erleichterung darüber, nicht ins Sklavengefängnis zu müssen, war das wohl völlig in den Hintergrund getreten.

„Geh in den Folterkeller, Anna.“

Sie war totenblaß.

„Aber, lieber Herr“, hauchte sie, „Sie haben mir doch versprochen, mich nicht zu prügeln.“

Kuck mal an, daran erinnerte sie sich also noch.

„Mal abgesehen davon, dass das strenggenommen für gestern galt, Anna, werde ich dich auch tatsächlich nicht prügeln. Und jetzt geh, sonst bekommst du doch noch zehn mit dem Ochsenziemer wegen versuchter Befehlsverweigerung.“

Sie stand auf, mußte sich mit beiden Händen an der Tischplatte abzustützen, um hochzukommen überhaupt.

Schlich in Richtung Folterkeller.

„Etwas schneller gefälligst, wenn´s geht.“

„Ja, Herr. Und Entschuldigung, dass ich so langsam gegangen bin.“   

 

 

 

 

 

 

  

       

  

 

 

     
                 

 

         

      

             

                      


Review This Story || Author: Michael Fuhs
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